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Nachhaltiges Bauen vorgestellt: Energieeffizienz- und Passivhaus

Sie möchten ein Wohnobjekt bauen und wünschen sich, dass dieses durch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz punktet? Wir stellen Ihnen zwei mögliche Optionen vor – das Passivhaus und das Effizienzhaus – die diesen beiden Kriterien entsprechen und für nachhaltiges Bauen stehen. Wir erläutern die Definition, beschreiben die Bauart und benennen die Vor- und Nachteile. Denn nicht erst seitdem das öffentliche Bewusstsein für aktiven Klimaschutz auch in der Baubranche derart sensibilisiert ist, erfreuen sich diese beiden Bauarten großer Beliebtheit. 

Definition 

Passivhaus 

Mit dem Begriff Passivhaus wird eine Verknüpfung zu dem Energieverbrauch des entsprechenden Gebäudes hergestellt. Dabei gelten gesetzliche Vorgaben für den jährlichen Heizenergiebedarf (ohne Strom und Warmwasser), für den Primärenergieverbrauch (Energie für den restlichen Heizbedarf, Warmwasserbereitung, Lüftung und Haushaltsstrom), für die Luftwechselrate (Maß für den Zuluftvolumenstrom der Raumluft bezogen auf das Bauvolumen von Gebäuden) der Gebäudehülle und für die Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Die entsprechenden Energiestandards für ein Passivhaus lauten wie folgt: 

Jahresheizenergiebedarfmax. 15 kWh/m2
Jahresprimärenergiebedarf max. 60 kWh/m2 
Luftwechselrate max. n50 = 0,6/h 
Wärmerückgewinnung min. 75 % 
Energiestandards für ein Passivhaus

Der minimale Heizbedarf wird mithilfe des Funktionsprinzips der internen Wärmerückgewinnung erreicht. Dazu wird die Wärmeabgabe von Bewohnern/Bewohnerinnen und elektrischen Geräten sowie die passive Wärmequelle aus Sonneneinstrahlung genutzt. Daraus leitet sich auch die Bezeichnung Passivhaus ab, wobei dieser Begriff nicht geschützt ist. 

Im Allgemeinen wird die Bezeichnung Passivhaus genutzt, um einen Baustandard zu beschreiben, der besondere Anforderungen an die Architektur, die Bau- und Gebäudetechnik sowie an die Ökologie stellt. Der Baustandard Passivhaus kann nicht nur in Form eines Neubaus erreicht werden, sondern auch durch Umbauten und/oder energetische Sanierung eines Bestandgebäudes. 

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Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Bild: Copyright Envato Elements 

Effizienzhaus 

Der Begriff Effizienzhaus (EFF) hat seinen Ursprung in der Klassifizierung der Energiestandards für Wohngebäude. Dabei war es die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank), die diesen Begriff im deutschen Sprachgebrauch für nachhaltiges Bauen einführte und die bis heute Fördermittel für Effizienzhäuser vergibt. Im Wesentlichen sind damit die energieeffiziente Bauart und eine nachhaltige Gebäudetechnik gemeint.  

Die Effizienzhäuser heben sich dadurch hervor, dass sie eine deutliche höhere Energieeffizienz erreichen als in der gesetzlichen Vorgabe. Grundlage bildet das seit November 2020 gültige Gebäudeenergiegesetz (GEG), das auf der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2009 basiert. Anhand dieser Vorgaben wird für jedes neues Effizienzhaus oder für jede energetische Sanierung eines Bestandsgebäudes ein sogenanntes Referenzhaus berechnet.

Bei diesem Referenzgebäudeverfahren ist das Referenzhaus in Nutzfläche, Geometrie und Ausrichtung identisch zu dem geplanten Effizienzhaus. Anschließend wird für jedes Bauteil dieses Hauses der Referenzwert der GEG herangezogen. Um die entsprechende Energieeffizienz zu messen, wird der Transmissionswärmeverlust und der darauf basierende Jahresprimärenergiebedarf ermittelt. Dabei stellt der Transmissionswärmeverlust den jeweiligen Wärmeverlust durch die Gebäudehülle dar – also durch Bauteile wie Fenster und Gebäudedämmung. Das Ergebnis ist ein gebäudespezifischer Referenzwert. 

Gemäß dieses Wertes gelten verschiedene Energiestandards für Neubauten und für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden. Im Folgenden die Unterscheidung der verschiedenen Standards: 

StandardPrimärenergiebedarf
Effizienzhaus 4040 % 
EFF 5555 %
EFF 7070 %
EFF 8585 %
EFF 100100 %
EFF 115 115 %
EFF Denkmal160 %
Standards für verschiedene Energieeffizienzhäuser

Bautechnik und Merkmale 

Passivhaus 

Um die Zertifizierung eines Passivhaus zu erreichen, müssen gewisse bautechnische Merkmale für nachhaltiges Bauen erfüllt werden: 

  1. So ist eine vergleichsweise hohe Wärmedämmung erforderlich. Diese muss an der gesamten Außenhaut des Gebäudes gewährleistet werden – also an den Wänden und Decken genauso wie an den Fenstern und am Fundament.  
  2. Die festverglasten Fenster sind überwiegend dreifach verglast oder als Kastenfenster ausgeführt. Eine große Fensterfläche und die Ausrichtung nach Süden begünstigten die passive Nutzung der Wärmeenergie durch Sonnenstrahlung. Eine Einrichtung zur Beschattung der Fenster, um Überhitzung im Sommer zu vermeiden, ist ebenfalls Voraussetzung. 
  3. Die Wohnräume eines Passivhauses, wie Esszimmer, Wohnzimmer und Schlafzimmer müssen nach Süden ausgerichtet sein. Andere Räumlichkeiten, wie Abstell- oder Nebenräume sowie die Garage sind nach Norden ausgerichtet. 
  4. Die Gebäudehülle beim Passivhaus muss frei von Wärmebrücken sein, wie z.B. eine Durchdringung durch die Dämmebene. Außerdem muss die Gebäudehülle eine hohe Luftdichtheit aufweisen, um einem Wärmeverlust aus dem Innenraum vorzubeugen. 
  5. Eine Lüftungsanlage sorgt für die Frischluftzufuhr in den Räumlichkeiten und begünstigt eine konstante Innentemperatur. Dabei wird mittels eines Erdwärmetauschers die Frischluft vorgewärmt und über die Lüftungsanlage im Gebäude verteilt. 
  6. Das Funktionsprinzip der Wärmerückgewinnung nutzt die Abstrahlwärme von Personen und von elektrischen Geräten, um mittels eines Wärmetauschers die Grenzwerte eines Passivhauses einzuhalten. 

Effizienzhaus 

Um einen Effizienzhaus-Standard zu erreichen, müssen Anforderungen hinsichtlich der Anlagentechnik sowie bauliche Maßnahmen für nachhaltiges Bauen berücksichtigt werden. Der Primärenergiebedarf und der Transmissionswärmeverlust sind dabei jeweils die beiden maßgeblichen Kriterien für einen solchen Standard. Für den Heizbedarf werden beispielsweise solche Anlagen eingebaut, die auf regenerative Energien zurückgreifen. Darunter fallen Wärmepumpen, Solarthermie für Warmwasser und zur Heizungsunterstützung oder auch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Mit all diesen Anlagentechniken wird ein sehr niedriger Primärenergiebedarf erreicht, womit die erste Voraussetzung für ein Effizienzhaus erreicht ist. 

In Hinblick auf die baulichen Maßnahmen ist eine durchgehend gleichmäßige Dämmschicht an der gesamten Gebäudehülle notwendig und die zweite Voraussetzung für den Effizienzhaus-Standard. Ebenso müssen auch Wärmebrücken vermieden und auf die Luftdichtheit der Dämmschicht geachtet werden. Nur so wird der Transmissionswärmeverlust so niedrig wie möglich gehalten oder bestenfalls komplett ausgeschlossen. 

 Die KfW beschreibt exemplarisch die Merkmale für nachhaltiges Bauen, die bei einem Neubau für ein Effizienzhaus 55 notwendig wären: 

  • Außendämmung: 18 cm 
  • Dachdämmung: 24 cm 
  • Kellerdämmung: 10 cm 
  • Fenster mit Dreifachverglasung 
  • Sole-Wasser-Wärmepumpe

Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass die Auswahl einer anderen Dämmschichtdicke oder einer anderen Heizungsanlage eine neue energetische Bewertung des Gebäudekonzept nach sich zöge und sich dann auch entsprechend der Effizienzhaus-Standard ändern könnte. Insbesondere bei energetischer Sanierung im Altbau gilt das Prinzip: Jedes Gebäude ist anders – die identischen Maßnahmen an verschiedenen Häusern können unterschiedliche Effizienzhaus-Standards bewirken. Demzufolge ist die Erstellung eines energetischen Konzepts durch einen Fachmann immer angebracht. 

Nachhaltiges Bauen: Vor- und Nachteile 

Passivhaus 

Vorteile: 

  • Besonders nachhaltiges Bauen durch seinen geringen Heizenergiebedarf, die Nutzung von Sonnenstrahlen und Wärmeabgabe von Bewohnern/Bewohnerinnen sowie elektrischen Geräten 
  • Zinsgünstige Kredite und Förderung der KfW-Bank möglich, wenn das Passivhaus den Zertifizierungskriterien entspricht 
  • Konstante Innentemperatur in allen Zimmern unabhängig von der Tages- oder Jahreszeit 
  • Großes Einsparpotenzial bei Energie- und Nebenkosten 
  • Kein Schimmelbefall, da sämtliche Bauteile die gleiche Temperatur haben 

Nachteile: 

  • Subjektiv kann die Innenluft als trocken empfunden werden, da kein Stoßlüften möglich ist aufgrund der Dichtigkeit der Gebäudehülle 
  • Konstruktive Vorgaben schränken die Gestaltungsfreiheit etwas ein (z.B. festverglaste Fenster) 
  • Keine individuelle Temperierung der einzelnen Zimmer möglich (beispielweise wärmeres Badezimmer oder kälteres Schlafzimmer) 
  • Meistens kostenintensiver aufgrund der erforderlichen Bautechnik (luftdichte Gebäudehülle, spezielle Lüftungstechnik, etc.)  

Effizienzhaus 

Vorteile: 

  • Attraktive Kredite und Zuschüsse in unterschiedlicher Darlehenshöhe durch die KfW-Bank bei Einhaltung der Förderstandards möglich 
  • Fördermöglichkeiten gelten gleichermaßen für den Neu- sowie für die energetische Sanierung eines Bestandsgebäudes 
  • Die Betriebs- und Energiekosten sind geringer als bei konventionellen Häusern
  • Größtenteils Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen

Nachteile: 

  • Vorgaben aus dem energetischen Gebäudekonzept schränken teilweise die Gestaltungsfreiheit ein 
  • Höhere Kosten und Vorabinvestitionen möglich durch anspruchsvolle Bauausführung 
  • Bei Ausführung ohne eine Lüftungsanlage ist regelmäßiges Stoßlüften unabdingbar
  • Zusätzliche Folgekosten für die aufwendige Haustechnik bei Wartung und Instandhaltung

Haben Sie sich für ein Passivhaus entschieden? Möchten Sie einen Grundriss für ein Effizienzhaus? Wir sind Ihnen dabei behilflich und klären weiterführende Fragen zum Thema nachhaltiges Bauen.

6 comments
  1. Ich bin jetzt mit meiner Freundin schon sehr lange zusammen. Wir wollen ein Haus nachhaltig bauen. Danke für die Informationen bezüglich des jährlichen Heizenergiebedarfs.

    1. Moin Florain,

      es freut uns, dass Ihnen unser Beitrag weitergeholfen hat – Danke für Ihren Kommentar!
      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen bei Ihrem nachhaltigen Haus-Projekt!

      Ahoi und beste Grüße aus Hamburg
      Nathalie Pfeiffer

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