Vom Supermarkt der Zukunft und nachhaltigem Einkaufen

Vom Supermarkt der Zukunft und nachhaltigem Einkaufen

Der Klimawandel ist schon lange nicht mehr zu leugnen – auch nicht hier in Deutschland. Trockenheit und Unwetter nehmen zu und die Landwirtschaft muss in Teilen neu gedacht werden. Auch wir – als Konsumenten der Gegenwart – sollten umdenken. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass wir von jetzt auf sofort unser komplettes Leben ändern sollen. Aber ein jeder bzw. eine jede von uns sollte doch überlegen, welchen Beitrag er/sie leisten kann, um beispielsweise den persönlichen CO2-Fußabdruck zu reduzieren oder ressourcenschonender zu leben. 

Das betrifft auch die Art, wie, wo und was wir einkaufen. Wie könnte also ein Supermarkt der Zukunft aussehen? Kann der Lebensmittelhändler um die Ecke uns davon überzeugen, „grüner“ zu werden? Und wenn ja, wie?

Umdenken im Konsumverhalten ist wichtig

Mal abgesehen davon, wie ein Supermarkt der Zukunft bzw. nachhaltiges Einkaufen aussehen könnte, müssen wir uns als Verbraucher und Verbraucherinnen vielleicht auch erst einmal an die eigene Nase fassen. Wir Deutschen kaufen nämlich nach wie vor gerne mit einer „Geiz-ist-geil“-Mentalität ein – für möglichst wenig Geld, möglichst viele Waren ergattern. Auch bei Lebensmitteln. Qualität und Herkunft (also auch die Tierhaltung!) interessieren die Menschen natürlich, aber irgendwie scheint das Interesse aufzuhören, wenn es um den eigenen Geldbeutel geht. Dann geht es doch wieder in den Discounter, wo Bratwürstchen und Grillfleisch für wenige Euro im Sonderangebot sind. Und genau diese billigen Fleischprodukte landen dann auf den oftmals extrem teuren (Vorzeige-)Grills. Eigentlich ein Widerspruch in sich selbst, oder?

Hier muss unsererseits ein Umdenken stattfinden, denn ansonsten hilft uns auch kein noch so nachhaltiges Konzept für einen Supermarkt der Zukunft. Doch wie kann so ein Umdenken konkret aussehen? Dazu können Sie sich selbst ein paar einfache Fragen beantworten wie beispielsweise: 

  • Muss ich jeden Tag Fleisch essen? 
  • Warum kaufe ich im Januar Erdbeeren, die aus den Treibhäusern in Spanien oder von noch weiter weg kommen?
  • Wäre es nicht sinnvoll, Produkte aus der Region zu kaufen und zu essen?
  • Wo bekomme ich überhaupt regionale und frische Produkte?

Spätestens, wenn Sie bei der Frage „Wo bekomme ich regionale Produkte?“ angekommen sind, haben Sie einen Schritt in die Richtung „nachhaltiger Leben und Einkaufen“ getan.

Nachhaltig einkaufen

Vom Supermarkt der Zukunft und nachhaltigem Einkaufen - es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen, die regionale Produkte anbieten
Vom Supermarkt der Zukunft und nachhaltigem Einkaufen – es gibt inzwischen zahlreiche Initiativen, die regionale Produkte anbieten I Foto: Pixabay/markusspiske

Um nachhaltig einkaufen zu gehen, ist nicht zwangsläufig ein Supermarkt der Zukunft notwendig. Seit ein paar Jahren nehmen Initiativen immer mehr zu, die regionale Produkte in den Mittelpunkt rücken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Regionalprojekt „Naturgenuss Rhein-Westerwald“. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk und eine Vermarktungsinitiative für „regionalverliebte Erzeuger und Gastronomen“. Darüber hinaus schießen Bauernmärkte und andere Erzeuger-Veranstaltungen überall in Deutschland wie Pilze aus dem Boden.

Dabei hat nicht nur die Bevölkerung in urbanen Regionen Zugriff auf ein solches Angebot. Auf dem Land kaufen Sie direkt beim Erzeuger – von frischen Eiern von freilaufenden Hühnern über Gemüse und Obst direkt vom Bauern bis hin zu Tierzuchtbetrieben, die mit ihrem Namen für eine hohe Lebensqualität der Tiere und daraus resultierend für eine hohe Fleischqualität bürgen.

Auch viele Unternehmen aus dem Lebensmittel-Handel haben inzwischen ein breites Angebot an regionalen Produkten, ohne dass sie als „Supermarkt der Zukunft“ zu bezeichnen wären. Hier ist der Trend nach wie vor ungebrochen – gab es früher nur vereinzelt beispielsweise Kartoffel aus der Region, ist die Palette inzwischen deutlich breiter geworden. Denn abgesehen von Gemüse und Obst gibt es mittlerweile in vielen Supermärkten auch andere Produkte unter dem Label „regional“. Das gilt für Nudelprodukte genauso wie für Marmeladen, Süßwaren und Getränke.

Supermarkt der Zukunft in Wiesbaden-Erbenheim

Der erste grüne REWE Supermarkt der Zukunft steht in Wiesbaden und stellt eine neue Generation der Green Buildings dar
Der erste grüne REWE Supermarkt der Zukunft steht in Wiesbaden und stellt eine neue Generation der Green Buildings dar I Foto: REWE Group

Die REWE Group hat laut eigenen Angaben eine sehr umfassende Nachhaltigkeitsstrategie und geht auch mit einem Konzept für den „Supermarkt der Zukunft“ an den Start. Im Mai 2021 eröffnete das Unternehmen seinen ersten „grünen Supermarkt“ im Ortsteil Erbenheim der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Dieser Supermarkt soll nicht nur das Einkaufen revolutionieren, sondern stellt auch eine neue Generation von Green Buildings dar. So wurde für den Gebäudebau hautsächlich Holz verwendet. Auf dem Dach wird ein umfassendes Green Farming-Projekt umgesetzt, in dem dort Kräuter und Fische gezüchtet und direkt im Markt verkauft werden. Er ist der erste Supermarkt mit einer ressourcenschonenden Lebensmittelproduktion auf dem Dach in ganz Europa.

Neue Generation von Green Buildings

Dieser Supermarkt der Zukunft besticht durch seine ungewöhnliche Architektur: Säulen aus gestapelten Hölzern bilden die Tragwerkskonstruktion für die gläserne Dachfarm und formen eine Gewölbestruktur, die sich bis in den Markt zieht. Im Inneren blickt die Kundschaft auf ein gläsernes Atrium, das Gewächshaus auf dem Dach.

Weitere Eckpunkte sind:

  • In diesem REWE-Markt wurden rund 1.100 Kubikmeter heimisches Nadelholz verbaut, wodurch mehr als 700 Tonnen CO2 eingespeichert wurden.
  • Verglaste Ost- und Westfassaden sowie das Atrium sorgen für reichlich Tageslicht.
  • Ressourcen werden durch eine intelligente Kühl- und Wärmetechnik sowie 100 Prozent Grünstrom geschont. 
  • Regenwasser wird für die Dachfarm, die Sanitäranlagen und die Reinigung des Marktes verwendet.
  • Im Außenbereich wurden die versiegelten Flächen reduziert, versickerungsfähige Untergründe geschaffen und zusätzliche Grünflächen sowie eine Blühwiese angelegt.

Mit Urban Farming kürzere Lieferwege für Lebensmittel schaffen

Außergewöhnlich bei diesem Supermarkt der Zukunft ist jedoch die sogenannten Dachfarm, die vom REWE-Partner ECF Farmsystems betrieben wird. Das Unternehmen, das 2021 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde, hat hier eine Aquaponik-Anlage gebaut, in der jährlich etwa 800.000 Basilikumpflanzen wachsen. Dabei kommen keine Pestizide zum Einsatz und auch der Dünger ist biologisch – nämlich die Ausscheidungen der Fische in diesem System.

Im REWE Supermarkt der Zukunft wird Basilikum angebaut
Im REWE Supermarkt der Zukunft wird Basilikum angebaut I Foto: Pixabay/monicore

Diese neuartige Urban Farming-Technik besteht aus dem Aquakulturkreislauf der Frischproduktion und des Hydroponikkreislaufs der Pflanzenproduktion (= Aquaponik). Ein solches System ermöglicht eine Lebensmittelproduktion mit 90 Prozent weniger Wasserverbrauch gegenüber herkömmlicher Landwirtschaft, da das Wasser doppelt genutzt wird.


Übrigens: Unter Aquaponik versteht man die kombinierte Aufzucht von Fischen und Pflanzen in einem Kreislaufsystem


Es werden etwa 14.000 Basilikum-Töpfe plastikfrei pro Woche vor Ort verpackt (so werden jährlich rund 12 Tonnen Plastik eingespart). Das Basilikum kann nicht nur in diesem grünen Supermarkt der Zukunft in Wiesbaden gekauft werden. Es wird außerdem an 480 REWE-Märkte in Hessen sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz geliefert.

Auf rund 230 Quadratmetern werden gleichzeitig etwa 20.000 Bundbarsche in Bassins unter nachhaltigen Bedingungen gezüchtet und direkt vor Ort verarbeitet. So entsteht jeden Monat ca. eine Tonne Frischfleisch.

Nachgefragt – was sind die Erfahrungen nach einem Jahr Betrieb?

Inzwischen ist der grüne Supermarkt der Zukunft in Wiesbaden seit mehr als einem Jahr geöffnet. Zeit genug, um bei Raimund Esser, Leiter der Unternehmenskommunikation der REWE Group, nachzufragen, welche Erfahrungen bisher gemacht wurden und wie die Kundinnen und Kunden diesen zukunftsweisenden Einkaufsmarkt sehen:

„Nach gut einem Jahr können wir festhalten, dass der REWE Green Farming Markt in Wiesbaden-Erbenheim nicht nur von der Wiesbadener Bevölkerung angenommen wird. Aus einem Umkreis von gut 50 Kilometern fahren Kunden den Markt an, um ihren Einkauf mit vornehmlich regionalen und lokalen Artikeln zu tätigen. Darin liegt auch ein Schwerpunkt des Marktes: das große Sortiment an frischen regionalen und lokalen Artikeln – insgesamt über 2.000 – in diesem nachhaltigen Markt. Natürlich ist auch die außergewöhnliche Architektur mit der gläsernen Farm auf dem Dach ein überregionaler Anziehungspunkt.“

Mit dem Markt in Wiesbaden hat das Unternehmen ein Referenzprojekt geschaffen, das zeigt, was möglich ist, wenn verschiedene Akteure Dinge anpacken, die man zunächst nicht für machbar gehalten hat. REWE will in den nächsten vier Jahren bundesweit fünf bis sieben solcher grünen Supermärkte der Zukunft mit Dachfarmen errichten – bevorzugt in Metropolregionen. In zehn Jahren sollen es dann 30 bis 40 sein. Dazu sollen jährlich 50 bis 80 Neueröffnungen ohne Dachfarmen sowie Umbauten bestehender Märkte, in die Teile des Green Farming-Konzepts einfließen.

Supermarkt der Zukunft und nachhaltig Einkaufen – ist das für jedermann bezahlbar?

Wir sollten uns fragen, was uns unsere Welt, in der wir leben, wert ist
Wir sollten uns fragen, was uns unsere Welt, in der wir leben, wert ist I Foto: Pixabay/geralt

Qualität hat seinen Preis. Das gilt heute genauso wie morgen. Es wäre schlichtweg gelogen, würden wir an dieser Stelle schreiben: Und das Beste ist, dass Sie für regionale und nachhaltige(re) Produkte nicht mehr zahlen müssen. Genauso wie wir unser Verhalten beim Einkaufen überdenken sollten, sollten wir uns auch immer wieder die Frage stellen „Was ist uns unsere Welt und damit verbunden unser Leben eigentlich wert?“ Lohnt es sich nicht vielleicht, im Winter auf Erdbeeren zu verzichten und auf heimische Äpfel und Birnen umzusteigen, zumal mal man für dasselbe Geld viel mehr Vitamine bekommt?

Auch wenn Sie jetzt den Finger heben und sagen „Das ist ja wieder nur etwas für Besserverdienende!“, wollen wir hier ein wenig zum Nachdenken anregen. Wie bereits erwähnt, müssen wir ja nicht jeden Tag Fleisch essen. Und aus einem Kilo (preiswerte) Kartoffeln und einem Kilo (günstige) Karotten kann man sehr viele und sehr leckere Gerichte kochen. Die schmecken allemal besser als eine Tütensuppe oder ein vermeintlich preiswertes Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe. Das ist natürlich auch anstrengend – nicht nur das Umdenken, sondern auch das Tun … in diesem Sinne hoffen wir, dass wir Ihnen Inspirationen zu diesem Umdenken und zu mehr Nachhaltigkeit im Leben liefern konnten.

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