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Glücklich wohnen in Tiny Houses?

Mittlerweile finden immer mehr Menschen ihr ganz persönliches Wohnglück in minimalistischen Tiny Houses, statt in großen Einfamilienhäusern oder weitläufigen Eigentumswohnungen. Dieser Trend der Mini-Häuser punktet vor allen Dingen durch das Reduzieren auf das Wesentliche und durch multifunktionale Flächen. Doch woher kommt dieser Wohn-Trend? Sind Tiny Houses für jede Lebenslage und familiäre Konstellation geeignet? Was haben diese Bauten für Vor- und Nachteile? Und wie sieht es eigentlich mit den baurechtlichen Genehmigungen in Deutschland aus? Wir beantworten diese und weiterführende Fragen. 

container tiny house mit dachterrasse
Container Tiny House mit Dachterrasse. Bild: Copyright Jed Owen auf Unsplash

Spurensuche: woher kommt der Trend?

Seit den 1990er Jahren etabliert sich die architektonische Bewegung der Tiny Houses (wörtliche Übersetzung: winzige Häuser) in den USA. Geprägt durch die Suche nach einer nachhaltigeren und zugleich kostengünstigeren Lebens- und Behausungsform, wurden Mini-Häuser entwickelt. Diese weisen in der Regel eine Grundfläche zwischen circa 15 und 45 Quadratmetern und einen umbauten Wohnraum von 110 Kubikmetern vor. Damit sind sie Sinnbild für einen minimalistischen Wohn-Trend, der sich klar gegen Protzbauten und flächenverschwendenden Bauweisen positioniert. 

Abgrenzung zu Trailer Homes

Auch wenn sich Tiny Houses von Trailer Homes inzwischen grundlegend abgrenzen, besteht dennoch eine anfängliche Verwandtschaft zueinander. Die Trailer Homes aus den USA (oder auch Mobile Homes; zu Deutsch: Wohnmobil-Häuser) sind seit den 1950er Jahren aus der Not heraus immer populärer für dauerhaftes Wohnen geworden bei einkommensschwächeren Schichten.

Die Bewohner von Mini-Häusern entscheiden sich zumeist bewusst für diese Lebensform. Sie erhoffen sich dadurch mit weniger Konsum und geringerer Verschwendung von (Bau-) Ressourcen einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. 

Tiny House-Trend in Deutschland

Bestimmt kennen Sie noch den blauen Bauwagen von Peter Lustig aus der Kindersendung Löwenzahn. Solche mobilen Bauwagen erfreuen sich seit den 1980er Jahren hoher Beliebtheit, auch wenn viele Gemeinden sehr restriktiv mit Flächen umgehen, auf denen das dauerhafte Leben in Bauwagen genehmigt ist. Jedoch diente diese Bewegung dem Tiny House-Trend, denn immer mehr Menschen streben an, sich durch andersartige Wohnweisen von der monotonen Bauweise abzugrenzen – was sich mit einem Mini-Haus bestens umsetzen lässt. 

Passt ein Tiny House zu mir?

Lässt sich ein Mini-Haus mit Ihrer aktuellen Lebensform und familiären Konstellation vereinbaren? Wie realistisch ist die dauerhafte Nutzung bei einschneidenden Lebensveränderungen wie beispielsweise Heirat und Nachwuchs? Dies sind essentielle Fragen, die vorab durchdacht werden sollten. Denn – anders als “normale” Wohnhäuser – bieten Mini-Häuser keine Ausbaureserven im Keller- oder Dachgeschoss. 

Unser Tipp #1: Um vorab herauszufinden, ob das Leben in den Mini-Häusern etwas für Sie ist, können Sie ein Probewohnen in einen der deutschlandweit verstreuten Mini-Haus-Angebote planen. Die Website der Tiny Houses Consulting UG stellt eine Minihaus-Map zur Verfügung, auf der Sie entsprechende Objekte in Ihrer Region finden.

Unser Tipp #2: Egal ob Sie in die Mini-Haus Bewegung reinschnuppern wollen oder bereits fortgeschritten sind mit den Plänen zu Ihrem Tiny House, die Messe Karlsruhe bietet vom 01. bis 03. Juli 2022 eine Veranstaltung unter dem Namen “New Housing – Tiny House Festival” an, auf der Sie sich inspirieren lassen können.

Der Aufbau

Wie bereits angesprochen, gibt es mobile Varianten dieser Objekte. Der Aufbau steht in deutlicher Abhängigkeit davon, ob ein Mini-Haus nun auf Rädern oder mit festem Boden konzipiert wird.  

Mobiles Tiny House

Hier gibt der fahrbare Stahlrahmen den Aufbau und die Dimensionen eines Mini-Hauses vor. Nur wenn die entsprechenden Vorgaben zu Außenmaßen und Maximalgewicht eingehalten wurden, erhält ein mobiles Mini-Haus auch die Straßenzulassung, die es benötigt, um transportiert werden zu dürfen. Aus diesem Grund wird der Aufbau meist aus sogenannten Holzrahmenbau gefertigt, der beidseitig mit leichten Sperrholz- oder Holzwerkstoffplatten beplankt und im Zwischenraum mit Holzfaser- oder Hanfdämmmatten gedämmt wird. Die Holzarten Fichte, Kiefer und Pappel eignen sich durch ihre hohe Flexibilität, aber auch durch ihr relativ geringes Gewicht bei trotzdem hoher Belastbarkeit besonders für den Auf- und Ausbau. 

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Eingang eines Tiny Houses in den USA.
Bild: Copyright Darrien Staton auf Unsplash

Stationäres Tiny House

Obwohl bei den stationären Tiny Houses kein Maximalgewicht eingehalten werden muss, gibt es auch hier oftmals Entwürfe im leichten Holzrahmenbau, um entweder Kosten zu sparen oder/und den minimalistischen Grundgedanken der Architektur gerecht zu werden. Jedoch sind auch massiv gebaute Mini-Häuser durchaus bei den etwas größeren Häuschen möglich, wenn auch nicht unbedingt übermäßig verbreitet. 

Bei den Entwürfen, deren Augenmerk nicht vorrangig auf ökologischen Baustoffen liegt, kommt auch Polyurethan-Hartschaum als Dämmschicht zum Einsatz, da hier bei geringer Materialdicke eine höhere Wärmedämmung erreicht wird. Ebenso können hochwertige Glas-, Stein- oder Metallelemente als Stilelement an der Außenfassade zum Einsatz kommen. Der Ausgestaltung in Form und Baustoff sind fast nur Grenzen durch das eigene Budget gesetzt. 

Gut zu wissen #1: Der vergleichsweise simple Aufbau ermöglicht es, viele Arbeiten in Eigenleistung umzusetzen. Entsprechende Videos und Tutorials finden sich dazu in etlichen Internetforen. 

Gut zu wissen #2: Alternativ gibt es eine Reihe von Herstellern, die sich auf Mini-Häuser spezialisiert haben. Eine Auswahl dazu finden Sie über die Auflistung der Website Tiny Houses Consulting UG. 

Bei beiden Varianten finden auf einer Ebene sämtliche Räume, wie Wohn-, Ess- Schlafzimmer, sowie WC, Dusche und Kochbereich ihren Platz. Dies wird dadurch erreicht, dass die verschiedenen Bereiche durch Möblierung in einem Raum umgesetzt werden (eine gepolsterte Fläche wird tagsüber als Sitzmöglichkeit für den Ess- oder Arbeitstisch verwendet und nachts als Schlafplatz) oder indem mit Zwischenebenen für beispielweise den Schlafbereich gearbeitet wird. 

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Autarkes Tiny House in der Schweiz. Bild: Copyright Harry Pepelnar auf Unsplash

Was gibt es noch zu beachten?

Der relativ dünne Wandaufbau bedingt vorab eine durchdachte Planung der Installationen für Strom und Wasser. Anders als in gemauerten Wänden verschwinden Rohrleitungen und Stromkabel bei nachträglichen Änderungen nicht mehr einfach in der Wand hinter Putz.  

Meistens wurden Tiny Houses mit Holz oder Pellets befeuerten Öfen oder elektrisch beheizt. Mittlerweile kommen immer mehr Gas-, Infrarotheizungen oder Mini-Wärmepumpen zum Einsatz. Auch für diesen Bereich empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit Fachpersonen 

Weitere Bauweisen

Neben den bereits genannten Aufbauarten gibt es noch diverse Bauweisen für Mini-Häuser. Dazu zählen Modulbau, Baumhaus, Bauwagen oder auch Container Houses. Da jede einzelne dieser Bauweisen jedoch ein ganzes Kapitel für sich füllt, liegt der Fokus dieses Beitrages auf den mobilen und stationären Tiny Houses im “klassischen” Stil. 

Genehmigungsrechtliche Vorschriften

In Deutschland gibt es auch für Mini-Häuser eine Reihe von Vorschriften, die zwingend eingehalten werden müssen: 

Die mobilen Tiny Houses benötigen zunächst eine straßenverkehrstechnische Zulassung, ausgestellt durch TÜV oder DEKRA, um auf öffentlichen Verkehrswegen bewegt werden zu dürfen. In den meisten Fällen wird ein mobiles Häuschen als ‘Anhänger mit Sonderaufbau’ eingetragen. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass der Hersteller eines Mini-Hauses für die statische Zuverlässigkeit unter Straßenverkehrsbedingungen haftet. Demnach empfiehlt sich  die Beratung und/oder Ausführung durch einen Fachbetrieb. 

Auch wenn ein mobiles Tiny House auf Rädern steht, so zählt es rein rechtlich als Gebäude und muss, für dauerhafte Wohnzwecke, auf einem erschlossenen Grundstück im Innenbereich (das bedeutet: innerhalb von geschlossenen Ortschaften) stehen und über einen Anschluss an Strom, Wasser und Abwasser verfügen 

Für die stationären Mini-Häuser bestimmt die Nutzungsart die notwendige baurechtliche Zulassung. Solche Häuschen, die als Ferien-, Wochenend- oder dauerhaftes Wohnhaus genutzt werden, bedingen grundsätzlich eine Baugenehmigung. Selbst in Großstädten ist es nicht immer selbstverständlich, dass die Stadtplaner Flächen eingeplant haben, auf denen eine temporäre oder dauerhafte Nutzung von Tiny Houses erlaubt ist. Daher bietet es sich an, zuerst nach einem geeigneten Baugrund zu suchen. Im Rahmen der Nachverdichtung urbaner Bebauung kommt es immer wieder dazu, dass vergleichsweise kleinere Lücken-Flächen bebaut werden dürfen und sich so ideal für Mini-Häuser eignen.  

Eine weitere baurechtliche Voraussetzung lautet, dass der/die Bauherr:in das Objekt an die Strom- und Wasserversorgung sowie an das Abwassernetz anbindet und dass auch die Müllabfuhr geregelt ist. Ebenso gilt, dass die Heizungs- oder Feuerungsanlage vom zuständigen Schornsteinfeger abgenommen sein muss.

Gut zu wissen: Auf Campingplätzen ist keine explizite Baugenehmigung für Tiny Houses notwendig. Jedoch sollte vorab in der Campingverordnung des entsprechenden Bundeslandes abgeklärt werden, wie die Voraussetzungen für einen dauerhaften Wohnsitz oder die Regelung für Erst- und Zweitwohnsitz aussehen. 

Vor- und Nachteile der Mini-Häuser

Es gibt vielerlei Gründe, die für oder gegen Mini-Häuser sprechen: 

Vorteile

  • Erhebliche Einsparungen für Bauland: Da der Grundriss eines Tiny Houses weniger Grundstücksfläche einnimmt, wird weniger Bauland benötigt bzw. bieten Baulücken auch potentielle Bebauungsoptionen. 
  • Geringere Baukosten: Die kleineren Ausmaße eines Mini-Hauses bedeuten auch geringere Ausgaben für Baumaterial. Allerdings sollte nicht versucht werden, Ausgaben einzusparen auf Kosten eines schlechten Energiestandards. 
  • Örtliche Ungebundenheit: Bei mobilen Tiny Houses ist es möglich, den Standort zu wechseln und somit ortsunabhängig zu leben bzw. zu wohnen. Bei stationären Mini-Häusern ist dies auch realisierbar, wenn die Statik und die kompakte Bauweise das Liften mittels Krans zulassen. 
  • Soziale Wohn- und Lebensform: Da oftmals größere innerstädtische Flächen für ganze Mini-Haus-Siedlungen vergeben werden, bilden sich kommunenähnliche Strukturen, in denen gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme großgeschrieben werden. 

Nachteile

  • Höher Wärmeverlust: Durch das ungünstige Verhältnis zwischen geringem Rauminhalt des kleinen Objekts zur relativ großen Oberfläche, wird zum Wärmeverlust beigetragen. 
  • Relativ unflexible Grundrisse: Die Grundrisse dieser Objekte lassen meistens keine größeren nachträglichen Umbauten zu, mit denen auf Nachwuchs oder andere Umstände reagiert werden kann. 
  • Zu kleine Flächen für Photovoltaik und Solarthermie: In der Regel wird die vorhandene Dachfläche von Mini-Häusern nicht dazu ausreichen, Kollektoren für umweltfreundliche Energiegewinnung zu installieren. 
  • Keine Option für autarke Wohnform: Ein vollkommen autarkes Leben abseits der städtischen Hektik ist bisweilen nach deutschem Baurecht (noch) nicht umsetzbar. 

Ausblick

Tiny Houses umgeben weiterhin ein Hauch von Hippie-Philosophie, ein Gefühl von Freiheit, um losgelöst von umfangreichem materiellem Besitztum ein erfülltes (Wohn-)Leben zu führen. Doch sie eröffnen auch die Möglichkeit, ganz dringende urbane Probleme zu bewältigen, wie z.B. dem Platzmangel in Städten entgegenzuwirken und die steigende Wohnungsnot etwas zu lindern. In vielen Städten werden mittlerweile günstige Tiny-House-Wohneinheiten für Studenten/Studentinnen und einkommensschwächere Personen geplant oder bereits vermittelt. Ganz im Sinne des bekannten Sprichworts: “Weniger ist mehr” – denn für das große (Wohn-) Glück bedarf es nicht viel (Wohnfläche). 

minimalistischer innenraum eines tiny houses
Reduktion aufs Notwendige: Innenraum eines Tiny Houses Bild: Copyright Unsplash

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